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Ständige Weiterbildung in Sachen Natur und Naturschutz gehört zu den erklärten Zielen der Wacholderwacht Osteifel. Der Blick "über den Tellerrand", das Wissen um die Zusammenhänge zwischen der Kulturgeschichte und dem heutigen Erscheinungsbild unserer Landschaft sollen Naturverständnis und Kompetenz stärken und den Zusammenhalt fördern. Dass uns dabei Ehepartner und Freude begleiten, fördert das gemeinsame Erleben. 


Juli 2014





Von der Schönheit der Kalktriften bei Alendorf
zeigten sich die Wacholderwarte aus der Osteifel
sichtlich beeindruckt
(Foto: Ulrich Siewers)

Vordereifel/Brohltal. Weiterbildung in Sachen Natur- und Landschaftsschutz sowie Eifler Kulturgeschichte stehen auf der Agenda der Wacholderwacht Osteifel mit an vorderster Stelle. Diesmal führte der Weg ins Naturschutzgebiet "Lampertstal und Alendorfer Kalktriften“ südlich des Eifelstädtchens Blankenheim.

Unter der Führung des ausgewiesenen Eifelkenners und Buchautors Ulrich Siewers aus Brohl-Lützing begann die Exkursion mit dem Besuch der Erlöserkirche im winzigen Eifelörtchen Mirbach. Dieser mit farbigen Mosaiken prachtvoll ausgestattete Sakralbau passt so gar nicht in diese einfache, von kleinbäuerlichen Strukturen geprägte Landschaft. 1902 erbaut vom Freiherrn von Mirbach, dem Kammerherrn und Freund Kaiser Wilhelms II., ist der katholische Kirchenbau ein Beitrag der neuromanischen Bauepoche in der Eifel in der Zeit des wilhelminisch-neostaufischen Historismus. Seine Majestät genehmigte den Kirchenbau nicht nur ausdrücklich, sondern besuchte 1906 persönlich die fertig gestellte Kirche. Über die von der armen Gemeinde zu tragenden Folgekosten machte sich damals niemand Gedanken.

Von Mirbach führte der Weg hinunter Lampertsbachtal mit seinen artenreichen sommerbunten Wiesen. Bruch- und Silberweiden und Uferstauden zeigen zwar den Bachverlauf an, aber Wasser sucht man in den Sommermonaten vergeblich. Verantwortlich hierfür sind so genannte Bachschwinden, im Volksmund „Verlierbäche“ genannt, die sich im karstigen Talgrund gebildet haben. Das Wasser tritt erst kurz vor der Einmündung in die Ahr wieder an die Oberfläche.

Im Anschluss stand ein Rundgang durch den Kalksumpf bei Ripsdorf auf dem Programm, einem kleinen Feuchtbiotop mit einzigartiger Flora. Hier begegneten den Wacholderwarte auf schwankenden Holzstegen die ersten blühenden Orchideen, darunter das seltene Moorknabenkraut.




Im Kalksumpf bei Ripsdorf entdeckten die Wacholderwarte
das seltene Moorknabenkraut
(Foto: Ulrich Siewers)






Am Südhang des Kalvarienberges wächst
die Grüne Waldhyazinthe, die mit ihren weithin
leuchtenden Blüten zahlreiche Insekten anlockt

(Foto: Ulrich Siewers)

Zum Höhepunkt der Exkursion führte der Weg dann ein Stück über den „Eifelsteig“ von der Wallfahrtskirche St. Agatha durch die Alendorfer Wacholderheide auf den Gipfel des gegenüber liegenden Kalvarienbergs. Ähnlich wie in der Vordereifel und im Oberen Brohltal wurde auch hier vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert der Wald zur Holzkohlegewinnung abgeholzt. Die freien Flächen dienten als Schafweide, was eine Wiederbewaldung verhinderte. Im Gegensatz zu den eher kargen Heiden der Osteifel, die überwiegend auf Devonverwitterungsböden entstanden sind, bieten die Heiden auf den Kalkmagerrasen eine artenreiche Flora mit zahlreichen Orchideenarten, Enzianen und weiteren floristischen Besonderheiten. Neben der zahlreich violettrot leuchtenden Mückenstendelwurz blühen im Juni am Südhang des Kalvarienberges die elegante Grüne Waldhyazinthe und die Fliegenragwurz. Die Blüten dieser Orchideenart locken durch Form und Farbe ganz gezielt Insektenarten an, die für die Bestäubung ihrer Blüten sorgen.




Die durch Form und Farbe eine Fliege imitierende Blüte
der Fliegenragwurz lockt ganz gezielt Insektenarten an,
die für die Bestäubung ihrer Blüten sorgen

(Foto: Ulrich Siewers)

Bevor die Wacholderwarte ihren Heimweg antraten, genossen sie noch ausgiebig das beeindruckende Hocheifel-Panorama vom „Eifelblick“ und die Aussicht auf das malerisch von Wacholderheiden eingerahmte Alendorf vom Gipfelkreuz des Kalvarienbergs.

Eine gemütliche Einkehr im bekannten Café Maus bildete den Abschluss des erlebnisreichen Tages in den Orchideenwiesen und Kalktriften bei Blankenheim.



Ulrich Siewers (2. v. r.) mit den Kameraden der Wacholderwacht Osteifel


Juni 2012


Langenfeld. Zu einer nicht alltäglichen Exkursion im Rahmen der Weiterbildung hatte Gerhard Krämer aus Langenfeld die Mitglieder der „Wacholderwacht“ eingeladen. Zusammen mit dem Bonner Diplombiologen Jörg Hilgers galt es, Flora und Fauna im Feuchtgebiet „Mosbrucher Weiher“ bei Kelberg zu erkunden. Die weitgehend verlandeten Moorflächen sollen im Rahmen des aktuellen EU-Live-Projektes Moore renaturiert werden, so dass sich moortypische Pflanzen und Tiere wieder ansiedeln können. Projektträger ist die „Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz“.

Trotz des vorangegangenen heftigen Regens, gewittriger Schwüle und Heerscharen lästiger Blutsauger folgt eine Handvoll Unerschrockener dem Biotop-Fachmann auf teilweise schwankendem Boden in den Kernbereich des Moores, der von Pfeifengraswiesen, Seggenrieden, Ohrweiden-Faulbaum-Gebüschen und Grauweiden-Wäldern gebildet wird. Nur vereinzelt finden sie trotz der vorangegangenen Regenfälle kleine Wasserflächen. „Das soll sich in den nächsten Jahren ändern“, sagt Hilgers. Er entnimmt dem Boden eine Handvoll Moos. „Diese Torfmoose sollen wieder gedeihen, damit sich mittelfristig wieder neuer Torf bilden kann. Dabei wird Kohlenstoff aus der Athmosphäre gebunden - ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz“. Noch im 20. Jahrhundert hat man in Mosbruch Torf gestochen. Da wurde in kurzer Zeit zerstört, was in Jahrtausenden entstanden war. Wenn man bedenkt, dass es fast ein ganzes Jahr dauert, damit die Torfschicht um 1 Millimeter wächst, kommt einem der Begriff „mittelfristig“ in unserer schnellebigen Zeit seltsam vor.

Mitglieder der Wacholderwacht erkunden die Fauna und
Flora des Mosbrucher Weihers zusammen mit dem
Bonner Dipl. Biologen Jörg Hilgers (rechts)

(Foto: Ulrich Siewers PR)

Die Männer und Frauen der Wacholderwacht erleben staunend den außergewöhnlichen Lebensraum Moor. Hilgers zeigt ihnen den Igel-Kolben und den Teufels-Abbiss, lässt sie den würzig-aromatischen Duft der Sumpfminze schnuppern und berichtet über die Geschichte des Sumpfschachtelhalms, dass er ein Nachfahre einer Urpflanze ist, die vor 400 Millionen Jahren im Paläozoikum ganze Wälder gebildet hat. „Daraus ist unsere Steinkohle entstanden!“


Dipl. Biologe Jörg Hilgers (rechts) beantwortet die Fragen der
angereisten Mitglieder der Wacholderwacht

(Foto: Ulrich Siewers PR)

Plötzlich bückt sich Gerhard Krämer. Behutsam streichelt er den Kopf einer kleinen Kröte, die er im Gras entdeckt hat. „Schaut Euch mal diese wunderschönen Augen an. Man nennt sie nicht umsonst Goldauge“. Und alle geben ihm recht.




Die kleine Kröte ist überhaupt nicht hässlich

(Foto: Ulrich Siewers PR)

Nach gut einer Stunde beginnt der Rückweg. Unterwegs gibt es immer wieder Aha-Erlebnisse. Und Jörg Hilgers ist in seinem Element. „Das ist Engelwurz. Die hat man früher zur Herstellung von Kräuterschnaps genutzt“. Dem Fotografen gelingt auch noch ein Schnappschuss vom Braunfleckigen Perlmuttfalter, eine geschützte Schmetterlingsart, die als „stark gefährdet gilt“ und deshalb auf der Roten Liste steht.



Der Braunfleckige Perlmuttfalter (Boloria selene) steht auf der Roten Liste
(
Foto: Ulrich Siewers PR)

Plötzlich hat es Jörg Hilgers eilig. Er muss noch am gleichen Tag in den Hunsrück, um Fledermäuse zu belauschen. Gut, dass es es Frauen und Männer wie ihn gibt, die ihr Wissen und Können zum Erhalt der Natur einsetzen. Die Lehrstunde mit ihm in der Natur war für die Wacholderwacht eine Bereicherung und ein Ansporn für ihr ehrenamtliches Engagement in den Wacholderheiden der Osteifel.

 
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