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aus einem Vortragsmanuskript von Ulrich Siewers

Um die im Titel gestellte Frage erschöpfend zu beantworten, ist es zwingend notwendig, zunächst den eigenen – aus Eifeler Sicht– richtigen Standort festzulegen. Nichtrheinländer sollten wissen, dass es in rheinischen Landen immer wichtig ist, auf welchem Ufer des Rheines man sich gerade befindet. Nur wer sich auf der linken Seite des Rheines befindet ist befugt, in eigener Sache zu sprechen. Würden wir uns auf der „schäl Sick“ - also auf der rechten Uferseite befinden, würde uns jeder „echte“ Eifeler die Kompetenz absprechen, ihn beurteilen zu dürfen.


Bereits vor über 2000 Jahren stand fest: Der "Eifeler an sich" hat keine direkte Abstammung.

Um die Frage, wo die Eifel beginnt und wo sie aufhört, wird unter Geschichts- und Heimatforschern heftig gestritten. Woher der "Eifler an sich" stammt ist und bleibt wahrscheinlich für immer ein ungeklärtes Geheimnis.

Vielleicht hilft uns der römische Feldherr und spätere Kaiser Gajus Julius Caesar (100 – 44 v. Chr.) weiter. In seinen Kommentaren über den Gallischen Krieg (Commentarii De bello Gallico) beschrieb Caesar das Gallien seiner Zeit: „Gallien ist im ganzen unterteilt in drei Teile, von denen der eine von den Belgern bewohnt wird, der zweite von den Aquitanern, und der dritte von denen, die in ihrer eigenen Sprache ‚Kelten‘, in unserer ‚Gallier‘ genannt werden.“ Die Region zwischen Mosel,Rhein und Maas bezeichnete Cäsar als Belgica und speziell das waldreiche Bergland westlich des Rheines bis zur Schelde als Arduenna silva ("Wald der Arduenna", ein anderer Name für die Jagd- und Waldgöttin Diana). Die Bewohner dieser Wälder nannte er kampffreudige Belger, die sowohl dem germanischen als auch dem keltischen Kulturkreis angehörten.

Offensichtlich ist Cäsar damals noch keinem Eifeler begegnet.

Im Zuge der Völkerwanderung nahmen nach den Römern Franken und Alemannen das Eifelland in Besitz. Sie rodeten die Wälder und gründeten neue Siedlungen. Die verbliebenen keltischen und römischen Eifelbewohner wurden von den germanischen Landnehmern assimiliert. Sie verloren ihre eigene Sprache und ihre Religion. Ihre Gene leben aber noch immer im Blut der Eifler.

Im Jahrbuch des Kreises Euskirchen (1984) resümierte der Eifelforscher Franz Heid sehr treffend:
„Der echte Eifeler ist weitgehend ein Mischblut, ein Produkt der erlebten Heimatgeschichte. Die Mischkonzentration ist je nach Lage innerhalb der Eifel von Dorf zu Dorf verschieden. Typische Kennzeichen sind an der plattdeutschen Mundart, an Aussehen, Temperament und Verhalten der Eifelbevölkerung abzulesen.“


Der Eifeler an sich behauptet, die Eifeler Sprache zu kennen. Da liegt er aber völlig falsch. Wenn ein Eifeler aus Ahrweiler oder einer aus Bitburg Platt spricht, dann meinen zwar beide vielleicht das Gleiche, verstehen aber kein Wort von dem, was der jeweils andere sagt. Das Ahrweiler Platt gehört zur ripuarischen Dialektgruppe und ähnelt eher dem Kölschen. In Bitburg in der Südeifel spricht man moselfränkischen Dialekt, der stark der luxemburgischen Sprache ähnelt. Da zusätzlich mehr oder weniger jedes Dorf ein wenig anders spricht als seine Nachbarorte, reicht ein Sprachkurs „Deutsch für Ausländer“ kaum aus, um die Eifeler Sprache zu verstehen.


Jeder meiner Generation kennt wohl die berühmte Verfilmung von Carl Zuckmayers Schauspiel  „Des Teufels General“. Was Zuckmayer den General Harras über den Rheinländer sagen lässt, trifft nach meiner eigenen Erfahrung genau so auch auf den "Eifeler an sich" zu:

Beschreibung der Szene: Leutnant Hartmann ist niedergeschlagen. Er will seine Verlobung auflösen. Deshalb gesteht er dem General Harras, dass er Probleme habe, den arischen Nachweis für seine Großmutter beizubringen. Harras versucht ihn aufzumuntern.

Harras:"Schrecklich. Diese alten verpanschten rheinischen Familien! ..." (lacht vor sich hin)

"Stell'n Se sich doch bloß mal ihre womögliche Ahnenreihe vor: da war ein römischer F eldherr, schwarzer Kerl, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Dann kam 'n jüdischer Gewürzhändler in die Familie. Das war 'n ernster Mensch. Der 's schon vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. Dann kam 'n griechischer Arzt dazu, 'n keltischer Legionär, 'n Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter...und ein französischer Schauspieler. Ein...böhmischer Musikant. Und das alles hat am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen, gesungen und...Kinder gezeugt. Hm? Und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven, und der Gutenberg, und der ... Matthias Grünewald. Und so weiter, und so weiter. ...

Das war' n die Besten, mein Lieber. Vom Rhein sein, das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse. Sei' n Sie stolz drauf, Leutnant Hartmann, und hängen Sie die Papiere Ihrer Großmutter auf den Abtritt!"


Seit der Antike hat die Eifel viele Völker erlebt und erduldet. Bereits das römische Heer und die römische Verwaltung bestanden aus einer bunten Mischung aller von Rom annektierten Nationen. An Rhein und Mosel lebten und liebten dunkelhäutige Söldner vom Nil und eingebürgerte Germanen aus dem Norden. Iberische Weinhändler, jüdische Kaufleute und viele andere Nationalitäten bereicherten die gallisch-treverische Kultur in den Städten und Dörfern. Die Völkerwanderung spülte Allemannen und vor allem die Franken in die Eifel. Vor allen waren es die merowingischen Franken, die das Land urbar machten und die Herrschaft an sich rissen. Mit ihnen gelangten irische und italienische Mönche ins Land, durch die sich nicht nur das Christentum verbreitete.

Eine besonders starke Durchmischung erfuhr die Eifel während des 30jährigen Krieges (1618 – 1648). Alle Heere, die durchs Rheintal zogen, suchten selbst die entlegendsten Landstriche mit Raub, Plünderung und Vergewaltigung heim. Dabei war es völlig egal, ob man dem katholischen Kaiser oder den protestantischen Schweden diente. Zurück blieben verwüstete Ortschaften in Elend und Armut sowie geschändete Frauen.

Nach Pest, Hungersnöten und Hexenwahn erlebten deren Kinder bereits die nächsten Heimsuchungen. Während der Raubkriege des französischen „Sonnenkönigs“ Ludwig XVI., dem Siebenjährigen Krieg und dem österreichischen Erbfolgekrieg zogen erneut französische, spanische, englische sowie österreichische Truppen durch das Eifelland. Zurück ließen sie zerstörte und verbrannte Städte und Dörfer, Not und Elend und natürlich wieder neue genetische Spuren aus aller Herren Länder.

Marodierende Soldateska plündert einen Bauernhof
(Ausschnitt aus einem Gemälde von Sebastian Vrancx, Antwerpen, um 1620)

Nach der französischen Epoche (1792 bis 1815) unter Napoléon wurde die Eifel im 19. Jahrhundert preußisch. Das völlig verarmte und ausgezehrte Land im Westen nannte man deshalb auch verächtlich Preußisch Sibirien. Mit Hilfe von Aufforstungsprogrammen und dem Bau von Eisenbahnen beabsichtigte die preußische Regierung ihre westlichste Provinz zu einem Bollwerk gegen Frankreich auszubauen und gleichzeitig Lothringen und Eupen-Malmedy an das preußische Bahnnetz anzuschließen. Da es an männlichen Arbeitskräften mangelte, rekrutierte man Gastarbeiter im Ausland. So kamen beim Bau der Eifelbahnen überwiegend italienische Arbeiter in großer Zahl ins bitterarme Eifelland. Die Südländer brachen so manches Mädchenherz und manche gründeten neue Familien an Ahr, Kyll und Rur.

Was wäre die deutsche Schauspielszene ohne den großen Mario Adorf? 1930 im schweizerischen Zürich als Sohn einer Mayener Röntgenassistentin und eines kalabrischen Chirurgen geboren, bezeichnet er sich selbst als „Mayener Jong“, also als „echten“ Eifeler...!

Mit dem Bau des Westwalls durch die "Organisation Todt" kamen ab 1938 tausende Arbeiter aus allen Ländern des Deutschen Reiches ins Eifelland. Mit den Männern kam nicht nur Geld in die entlegenen Dörfer der Westeifel, sondern auch frisches Blut in die Stammlinien der Bauersleute.  

Bevor die Eifel 1944 zum Kriegsschauplatz wurde, diente sie im 20. Jahrhundert immer wieder als Durchzugs- und Aufmarschraum der deutschenTruppen. Und nach jedem Weltkrieg kamen neue Besatzer. Die meist sehr jungen Soldaten beeindruckten während der harten Nachkriegsjahre so manches "Fraulein" oder "Mademoiselle". So gab es rund  um Städte wie Bitburg,Trier oder Koblenz kaum einen Ort, in dem in den 50er-Jahren kein „Franzosenkind" oder "Negerkind" das Licht der Welt erblickte.....

Nachdem Deutschland der NATO angehörte, wurden aus den einstigen Besatzern Freunde. So manches Eifler Mädchen folgte ihrem amerikanischen Ehemann in die Staaten. Andere blieben allein gelassen mit ihren Kindern zurück. Zahlreiche ehemalige Army- und Air Force-Angehörige leben heute in Bitburg, Spangdahlem oder sonst irgendwo in der Eifel.

Und nach Peristroika und Mauerfall hörte man plötzlich wieder ungewohnte Töne in der sonst Platt sprechenden Eifelbevölkerung. Die besondere Eifler Mischung geht weiter


Im Laufe von 2000 Jahren hat der Eifeler gelernt, mit wechselvollen Identitäten umzugehen. Durch seine unerschütterliche Geduld, gepaart mit einer tiefen Volksfrömmigkeit und einer guten Portion Humor hat er allen Widrigkeiten getrotzt und überlebt.

Vor gut 80 Jahren beschrieb der Kölner Volkskundler Adam Wrede den Eifeler bereits so:

„Er ist mittelgroß bis klein von Gestalt, hat dunkle Haare und Augen, ist zäh, selten krank, wird alt, ist geizig und misstrauisch, ist sehr religiös und konservativ, ist ehrgeizig und feiert doch gern, er liebt das Geheimnisvolle, hat viel Temperament und zeigt teilweise schon ein südländisches Verhalten.“

Heute, im 21. Jahrhundert ist es noch immer ganz selbstverständlich, dass im Herbst Männer und Frauen singend und betend nach St. Jost, nach Barweiler, zum Michelsberg oder nach Klausen wallfahren.

Ebenso selbstverständlich ist die erfreuliche Tatsache, dass in den Eifeldörfern ein Mustafa gerne mit Arkadij und Christoph in derselben Dorfmannschaft kickt und sich anschließend mit Aisha, Jelena oder Nicole bei Mc.Donalds trifft. Rechtsradikalismus und Fremdenhass sind in der Eifel kaum aktenkundig.

Der „Eifeler an sich“ wird auch die Zukunft meistern, denn in seinen Genen verbirgt sich ein in zwei Jahrtausenden gewachsenes Überlebenspotenzial, das seinesgleichen in anderen Regionen Deutschlands sucht.



Das Fritzdorfer Pilgerkreuz bei Arft markiert den Weg nach Langenfeld und Sankt Jost
(Foto: Ulrich Siewers)






Lesen Sie zu diesem Thema auch den köstlichen Beitrag der von mir geschätzten Eifelautorin Sophie Lange "Der Eifler als solcher"  >>> hier


Willy Leson
So lebten sie in der Eifel
Texte und Bilder von Zeitgenossen
J.P. Bachem Verlag, Köln 1977 

Die herbe Schönheit der unverwechselbaren Eifellandschaft hat den Charakter ihrer Bewohner so stark geprägt, dass sie sich merklich von benachbarten Stämmen unterscheiden. Die Vielfalt der einzelnen Regionen hat sich im Verlauf von zwei Jahrtausenden unverkennbar in der Lebensweise der Menschen niedergeschlagen. Erst im 19. Jahrhundert erwachte außerhalb der Eifel ein Interesse an dem abgelegenen Bergland. Aus den Texten von Dichtern und Historikern erfahren wir, wie die Eifeler und ihre Vorfahren gelebt und gewirkt haben. Die harten Lebens- und Arbeitsbedingungen werden ebenso eindringlich nachgezeichnet, wie Sitten und Gebräuche, Feste und Feiern. Durch Beschreibungen der Einrichtung der Häuser wie der Kleider und Speisen entsteht ein stimmungsvolles Bild der Eifelbewohner, deren Geschichte wir ebenso kennenlernen, wie die der Bewohner der beiden Städte am Rand der Eifel,Trier und Aachen. 

Das hier beschriebene Werk ist verlagsseitig leider nicht mehr lieferbar. Im Internet, in Antiquariaten oder auf regionalen Flohmärkten bestehen jedoch gute Chancen, dieses Buch noch zu erwerben.



 
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