StartUlrich SiewersWacholderwachtOsteifel-aktivTourismusBücherweltPublikationenFotosModellbauInteressante LinksKontaktImpressum
Meine Lieblingswanderung
Klimawandel in der Eifel
Der Eifelwald
Die Wölfe sind da!
Der weiße Tod in der Heide
Wacholderheiden der Osteifel
Wandern im Hohen Venn
Wanderung nach St. Jost
Der schlummernde Riese
Der Eifler an sich
Die Jenischen Eifler
Giftschlangen in der Eifel?
Eifel-Kulturtipps
Westerwald-Tipps


von Ulrich Siewers

Wer von Neustadt/Wied oder Peterslahr kommend dem Wegweiser „Ehrenstein“ folgt, findet im abgeschiedenen Tal des Mehrbachs zwischen steilen, mit stattlichen Bäumen bewachsenen Hängen einen Ort vor, von dem der Reiz des ganz Besonderen ausgeht.

 „Wie im Märchen – fast unwirklich – wie etwas, das man in dieser Zeit nicht mehr erwarten würde“ beschreibt ihn Henri van Rooijen O.S.C. in seinem Buch „Liebfrauenthal zu Ehrenstein“. Das harmonische Ensemble besteht aus dem Kreuzherrenkloster Liebfrauenthal, der spätgotischen Pfarrkirche St. Trinitatis und der darüber liegenden längst verfallenen Burg Ehrenstein. Eines der wertvollen Fensterbilder der Kirche, die Kölner Meister zwischen 1470 und 1480 schufen, zeigt den mächtigen Festungsbau aus dem 14. Jahrhundert, von dem es einen unmittelbaren Zugang zur Kirche gab. Diese ist bis zum heutigen Tage durch einen überdachten Gang direkt mit dem Klostergebäude verbunden.

Liebfrauenthal - Hort des Glaubens im Tal des Mehrbaches

Das Kloster, die Kirche und die Burg Ehrenstein schauen auf ein halbes Jahrtausend mit einer sehr wechselvollen Geschichte zurück. Wie früheste Urkunden aus dem Jahr 1333 belegen, lebten ursprünglich auf der Burg die Herren von Uetgenbach. Da es an männlichen Nachkommen fehlte, verkaufte der letzte Uetgenbacher 1449 seine Herrschaft an seinen Schwager, den Ritter Wilhelm von Nesselrode. Dieser erbaute am Fuße der Burg eine geräumige Schlosskapelle, die das Schiff der heutigen Pfarr- und Klosterkirche bildet. Sein Sohn Bertram ließ sie später zur Pfarrkirche ausbauen. Der Bau des Klosters nebenan erfolgte 1486, über dessen damalige Größe uns eine weitere Abbildung im Seitenfenster der Kirche Aufschluss gibt. Nach zweijähriger Bauzeit konnte 1488 Prior Jac Herynck mit den ersten Kreuzherrn, die sich damals noch Kreuzbrüder nannten, Einzug im ,,Tal unserer lieben Frau" halten. Damit das Kloster existieren konnte, erhielt es noch eine Reihe von Höfen und Ländereien, darunter auch eine Weingarten in Honnef.


Im 30-jährigen Krieg wurde Ehrenstein gleich zwei mal heimgesucht. 1632 zerstörten die Söldner des schwedischen Generals Baudissin die Burg und plünderten das Kloster. Erst nach erfolgter Zahlung von 100 Gulden Lösegeld wurde der in Geiselhaft genommene Prior wieder freigelassen. Zwei eingemauerte steinerne Kugeln über der Kirchenpforte erinnern noch heute an den damaligen Beschuss. 1633 wurde das Kloster abermals von den Schweden geplündert. Die Tatsache, dass die Kirche mit ihren wertvollen Fenstern und Kunstschätzen die Gräuel der Verwüstung überstanden hat grenzt an ein Wunder. Die Pfarrei und das Kloster blieben weiter bestehen Die Burg wurde allerdings nie wieder aufgebaut.


Im Zuge der Säkularisation wurde 1804 das Kreuzherrenkloster aufgehoben. Trotz einer Wiederbelebung des Klosterlebens in Liebfrauenthal durch Franziskanerpatres von 1893 – 1953 und anschließend nach 141 Jahren Abwesenheit wieder durch Kreuzherren aus den Niederlanden war der bauliche Zustand der mehrfach umgebauten und erweiterten Gebäude mittlerweile mehr als kritisch. In den 1970 Jahren wurden deshalb Klosteranlage und Kirche von Grund auf restauriert. Als Pfarramt diente deshalb für einige Zeit das kleine Forsthaus vor dem Klostereingang. Im August 1975 war das Kloster bezugsfertig, aber mit einer geänderten Zweckbestimmung. Hier wurde eine Stätte des Dialogs geschaffen für Menschen, die Einkehr, Sammlung, Gebet und Stille suchen. In Ehrenstein soll der Mensch zu sich selbst finden können, im gemeinsamen Gebet, in der Eucharistie, dem Vespergottesdienst und im Dialog mit dem Konvent, der zur Zeit aus vier Patres des Montfortanerordens besteht.




Die wertvollen Fenster im Langschiff entstanden vermutlich im frühen 16. Jahrhundert



Die Pfarrei wird heute vom katholischen Pfarramt in Oberlahr betreut. Samstags um 19 Uhr und sonntags um 9 Uhr finden regelmäßig Gottesdienste statt. Morgens, mittags und abends versammeln sich die Patres und ihre Gäste zum Gebet. In der übrigen Zeit, steht die St. Trinitatiskirche dem stillen Besucher tagsüber offen. Zu der Kostbarkeiten der alten Kircheneinrichtung zählen vor allem das gotische Vesperbild der Mater Dolorosa, der „Schmerzhaften Mutter Gottes“, die lebensgroße Kreuzigungsgruppe im Triumphbogen, der Chor und Kirchenschiff voneinander trennt, eine typisch Westerwälder Madonna sowie zahlreiche Heiligendarstellungen. Nicht alle Kostbarkeiten sind auf den ersten Blick erkennbar. Man muss schon ein wenig genauer hinsehen, um zum Beispiel das Antlitz Gottes im Schlussstein des Chorgewölbes zu erkennen. Die einmalig schönen Fenster erzählen sowohl Geschichten aus dem Alten und dem Neuen Testament, aber auch aus dem Leben der Stifterfamilien. So entdeckt man vielleicht auch die älteste Ansicht des Klosters Marienforst bei Bad Godesberg und eine Abbildung der Godesburg in einem der Seitenfenster, die vermutlich im Zusammenhang mit einem ihrer Stifter zu sehen sind.


Der stille Ort sollte keinesfalls als touristische Attraktion verstanden werden. Die Kirche ist in erster Linie ein Haus zum Lobe Gottes und das Kloster ein Ort der Besinnung. Um den Anblick auf die Baugruppe von ungewöhnlicher Schönheit nicht zu stören, wurden Autos aus dem Klosterhof verbannt. Ein großer, kostenloser Parkplatz befindet sich vor dem Klosterbereich.


Öffnungszeiten

Täglich von 7 – 19 Uhr

Anfahrt

Autobahn A 3, Anschlussstelle Neustadt/Wied – Neustadt/Wied -
hinter der Wiedbrücke rechts auf Landstraße L 269 bis zur Abzweigung nach Ehrenstein


Jede Menge meiner Kulturtipps und viele andere Freizeitgestaltungsmöglichkeiten finden Sie im Freizeit-Guide bei GENERAL-ANZEIGER online > hier

Dort finden Sie auch einen sehr schönen Beitrag von meinem Kollegen Anreas Obst zu gleichen Thema

 
Top