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Scratch built


Scratchbuilding ist etwas ganz anderes als aus vorfabrizierten Bausätzen vorbild- und massstabsgetreue Gebäude, Fahrzeuge oder komplette Szenen zu erstellen. Das Rezept beginnt nicht mit "Man nehme..." sondern mit "Man stelle sich vor und denke nach ...".



"Bauinspektor Mr. Preiser" bei der Abnahme meiner
aus Bastelabfällen gescratchten Plumpsklos (outhouses)

(Foto: Ulrich Siewers)

Das „Scratchbauen“ oder kurz „Scratchen“ im Modellbau kommt aus dem amerikanisch-englischen Sprachgebrauch (from scratch = von Grund auf/ganz von vorne/aus dem Nichts/ganz von Anfang an/vom Grunde aus) und steht für das (bunt) „zusammengewürfelte“ aus einfachsten Teilen oder Rohmaterial erstellte Modell.




"Cobb's Diner" und die Hütte daneben sind so ein "bunter" Selbstbau. Bis auf die Türen und Fenster ist das Modell komplett "gescratcht": Unterschiedlich starke Kiefernholzleistchen, hauchdünnes Sperrholz, Papier für die Gardinen und das Teerpappendach, Strohhalme und Messingröhrchen für die Kaminnachbildungen, Acrylfarben und ganz viel Fantasie....


(Foto: Ulrich Siewers)



Das Wellblechdach besteht aus bemalter Alu-Grillfolie, die Werbetafeln stammen aus dem Internet: Bilder kopieren, auf die gewünschte Größe verkleinern und in MS-Publisher zu Bilderbögen zusammenstellen, auf selbstklebende Folie (im gut sortierten Bürohandel oder im Internet kaufen) und mit dem Farblaser ausdrucken, mit dem Skalpell zuschneiden und aufkleben ...., fertig!

Eine auf dem Jahrmarkt gekaufte gekröpfte Präzisionspinzette, wie abgebildet, ist dazu das ideale Werkzeug.

Eigene Beschriftungen wie z. B. Namensschilder, Straßenschilder etc. lassen sich ebenso einfach selbst herstellen. Die passenden zeitgenössischen Schriften (Fonts) gibt es von Microsoft und die Vorbildideen findet man - wenn man etwas vom Suchen versteht und die dazu notwendige Geduld hat - reichlich via Goggle-Bildersuche. Gute Englischkenntnisse sind dabei allerdings ein absolutes MUSS!


(Foto: Ulrich Siewers)

Im deutschsprachigen Raum ist diese spezielle Form des Modellbaus nicht sehr weit verbreitet. Zum einen gab und gibt es noch immer ein gigantisches Angebot an vorgefertigten Plastikbausätzen aller Massstäbe. Seit einigen Jahren gehen Gross- und Kleinserienhersteller dazu über, statt Plastik vorgestanzte Karton- oder Holzteile zu anzubieten. Auch geätzte Messing-und Metallgussteile werden hergestellt. Aber die Preise sind ziemlich hoch und den Nachwuchsmodellbauern fehlt es häufig an handwerklichem Geschick und der notwendigen Fantasie, daraus eigene Ideen zu verwirklichen. 


Weihnachten 1956: Mein vier Jahre älterer Bruder Rainer und ich erlebten eine ganz tolle Überraschung. Unter dem Weihnachtsbaum lag ein großer Stadtplan mit aufgemalten Straßen, Bürgersteigen, Zebrastreifen und Grünflächen. Der war gedacht, damit wir endlich für unsere wenigen, damals noch unverglasten WIKING-Autos, die wir nach dem Spielen immer wieder sorgfältig in Zigarrenschachteln verwahrten, in passenden Verkehrssituationen vorbildgetreue Spielszenen nachvollziehen konnten.

Zwar gab es derartige Verkehrspläne auch fix und fertig im Spielzeugladen zu kaufen, aber die waren nur aus Papier und zudem relativ teuer. Mein Vater dagegen hatte den Plan auf einem mit Künstlerleinen bespannten stabilen Holzrahmen fast dreidimensional mit Leimfarben aufgemalt. Die Straßen und Gehsteige glänzten in dunkelgrauem Seidenmatt und die  Grünflächen hatten eine samtartige Oberfläche - ein richtiges Kunstwerk, das uns Kindern über viele Jahre unser liebstes Spielzeug war.

Doch was wäre eine Stadt ohne Gebäude? Zunächst sammelten wir passende Verpackungen aus Karton, auf die wir Fenster und Türen mit Farbstiften und Wasserfarben aufmalten. Dann schnitten wir mit Mutters Schere Öffnungen in die Kartons und schufen so nutzbare Garagen oder Werkstätten mit beweglichen Türen für unsere Wiking-Autos. So entstand im Laufe der Zeit eine richtige kleine Stadt. Irgendwann bekam ich dann von unserem Pastor einen Bastelbogen zum Bau einer Spardose, mit deren Inhalt der im Krieg zerstörte Berliner St. Hedwigsdom irgendwann wieder aufgebaut werden sollte. Aus diesem bedruckten Stück Papier konnte man durch Ausschneiden, knicken und kleben ein (für unseren Zweck ungeeignetes) kleines Papiermodell der Kirche herstellen. Für mich war dieser Bastelbogen allerdings ein echtes Lernerlebnis. Fortan zeichnete ich mir einfache, halbwegs passende Vorlagen auf Papier, die mittels Laschen nach dem Ausschneiden zu kleinen dreidimensionalen Häuschen zusammengefaltet und geklebt wurden. Aus Werbebroschüren und Inseraten schnitt ich Namenszüge und Logos heraus und verzierte anschließend damit meine Eigenbauten. Früh übt sich …

Als 1959 mein Bruder Michael zur Welt kam, gerieten meine Versuche vorübergehend ins Stocken. Damals entdeckte ich meine große Lust am Lesen. Und als ich eines Tages einen kleinen Lego-System-Baukasten geschenkt bekam, baute ich fortan meine Spielwelt aus bunten Plastiksteinchen. Und dann bekam ich meinen ersten Plastik-Bausatz …>>> mehr





Das Foto habe ich bei meinen Recherchen zu deutschstämmigen Auswanderern im Internet entdeckt. Es entstand vermutlich um das Jahr 1904 und zeigt das Blockhaus der Familie Scheidel in Sherry Township, einer kleinen Siedlung im Wood County, Wisconsin. Die Geschichte des Hauses begann mit Michael Scheidel, der mit 62 Jahren aus Elsass-Lothringen auswanderte, um 1881 im amerikanischen Bundesstaat Wisconsin eine neue Existenz zu gründen. Sein Sohn Adam baute die ursprüngliche Holzfällerhütte zu dem Wohnhaus aus, das auf dem Foto zu sehen ist >>> mehr (englisch-sprachig)



Dieses einzige Foto des alten Siedlerhauses der Familie Scheidel (Shidell) war eine Herausforderung, es im Maßstab 1:87 (HO) samt seinem Umfeld nachzubauen. Für eine vergrößerte Darstellung bitte auf das Bild klicken



Nach genauen Recherchen im Internet und dem Vergleich mit ähnlichen zeitgenössischen Siedlungshäusern (Bilder findet man bei Google) entstand ein einfacher Plan. Im Untergeschoss befanden sich in der Regel ein Wohnraum mit angrenzendem Schlafraum. Im Obergeschoss gab es noch 3 bis 4 kleine Schlafräume, die über eine Treppe vom Wohnraum aus zu erreichen waren. Üblicherweise gab es auch eine Hintertür, die ins Freie führte.

Wie auf dem Foto zu sehen ist, verfügt das Gebäude über einen angebauten Hauswirtschaftraum, in dessen vorderen Bereich sich die Küche befindet, die wiederum eine Verbindung zum Wohnhaus besitzt. Wie in den U.S.A. üblich, liegt davor eine überdachte Veranda, ein "Luxus", den man so in der "Alten Welt" nicht kannte.



Auf Millimeterpapier wird eine einfache Planskizze gezeichnet, an der man sich später orientieren kann. Vier Kantholzleistchen stabilisieren die Grundkonstruktion. Die Außenwände bestehen, genau wie beim Original, aus Holzbalken. Dazu verwende ich Vierkantleisten, deren eckige Kanten außen mit einem scharfen Bastelmesser unregelmäßig abgerundet wurden und mittels Holzleim mit der Grundkonstruktion und untereinander verbunden und auf der Planskizze rechtwinkelig ausgerichtet wurden.  



Wie auf der Abbildung gut zu sehen ist, stehen die jeweils oberen "Balken" am Ende jeweils ein Stück über dem darunterliegenden (Blockbauweise).
Die filigranen Polystyrol-Fenster von TICHY TRAIN habe ich über eBay bzw. direkt beim Hersteller in den U.S.A. erworben. Den passenden Rahmen habe ich aus dünnen Kiefern-Holzleistchen selbst hergestellt und mit den Kunststofffenstern verklebt. Dabei ist zu beachten, dass in Amerika früher nur Schiebefenster benutzt wurden (der untere Teil des Fensters liegt etwas tiefer, damit er nach oben geschoben werden konnte). Bei den TICHY-Fensternachbildungen beträgt dieser Unterschied weniger als 0,5 mm!


Den Giebel habe ich aus 3 mm Graupappe ausgeschnitten und mit Weißleim auf den obersten Holzleisten aufgebracht. Zur besseren Fixierung habe ich für die Firstleiste eine Aussparung geschaffen, die gesamte Konstruktion miteinander verleimt und rechtwinklig ausgerichtet. Überstehende Holzteile werden nach dem Trocknen einfach weggeschnitten und mit Sandpapier plan geschliffen.
Die Dachbalkenleistchen habe ich vorgeschnitten und wie im Bild zu sehen ist, mit Weißleim fixiert. Auch hier wurden überstehende Teile entfernt und nach dem Trocknen plangeschliffen.
Nebenbei bemerkt: Die gesamte Konstruktion wiegt nur wenige Gramm und hält "bombenfest". Wichtig ist, dass man sich Zeit lässt und dem Leim (Ponal o. ä.) genügend Zeit zum Aushärten lässt.



Genaues Planen und Arbeiten ist dort nötig, wo später der Hauswirtschaftsraum angebaut werden soll. Ein wenig Fantasie und der Vergleich mit vielen alten Fotos waren nötig, denn dieser Teil des Gebäudes ist auf dem Original nicht sichtbar. Meine Jugenderfahrungen mit "Tom Sawyer und Huckelberry Finn" und der alten TV-Serien "
Die Waltons" und "Unsere kleine Farm" (die ich gerne mit meinen Kindern zusammen gesehen habe) waren dabei ebenfalls nützlich.

Nachdem ich den Zwischengiebel gesetzt hatte, erhielt die gesamte Konstruktion die notwendige Stabilität. Beachtenswert ist auch die hintere Außentür, die aus einem alten FALLER-Bausatz übriggeblieben war.

Merke: Zum Scratchen gehören unbedingt gut gefüllte "Grabbelkisten". Manchmal kann man auch für kleines Geld Reste von Bausätzen bei eBay bekommen.



Die aufgeleimte Dachunterkonstruktion besteht aus hauchdünnen Kiefernholzstreifen, wie sie im Schiffsmodellbau verwendet werden und die es bei eBay ständig sehr preiswert zu kaufen gibt.



Die Holzschindeln auf den Dächern oder am Giebel habe ich aus lasergeschnittenen Karton-Bauplatten der Firma NOCH ausgeschnitten und mit Holzleim aufgeklebt. Das ist zwar nicht gerade die billigste Methode, aber mit Abstand die beste!

Gleichzeitig habe ich die Holzkonstruktion in einem hellen Holzton (Acrylfarbe) gestrichen. Die Fenster wurden vor dem Verglasen (auf transparenter Overheadfolie gezeichnet und mit dem Skalpell ausgeschnitten) mit seidenmatt weißem Humbrol-Lack gestrichen  und die Rahmen in einem dunklen Holzton gefärbt.

Auch der Verandaboden wurde aus Kiefernholzstreifen "zusammengezimmert" und die Oberfläche sauber abgeschliffen.



Mit wasserlösicher Alles-Patina-Farbe (z. B. von DecoArt) wird nun das ganze Bauwerk bestrichen und anschließend solange mit einem leicht feuchten Lappen wieder abgewischt, bis der gewünschte Alterungseffekt eingetreten ist. Beim nächsten Modell werde ich allerdings die Schindelflächen dabei auslassen, denn die haben m. E. zuviel Farbe aufgesogen und sahen vorher viel besser aus.



Auch eine Rückseite kann entzücken: Der Anbau mit Hauswirtschaftsraum und Waschküche wurde mit einer Tür versehen. Bei den Dachübergängen habe ich dünne Streifen aus der Schindelbauplatte verwendet und die Ecken mit Resten zusätzlich abgedeckt.



So präsentiert sich das "Schidell-House" nach einer weiteren Behandlung mit hellgrauer Patina, die mit einem fast trockenen breitflächigen Pinsel aufgetragen wurde (Dry-Brushing-Methode).

Den allerletzten farbigen "Schliff" bekommt das Modell erst dann, wenn es in ein endgültiges Umfeld eingebaut wird (Landschaftsmodul).

Sämtliche Details wie Figuren (selbstbemalt von PREISER), Brunnen, Schleifstein, Stuhl, ein Holzregal und die alten Regenfässer liegen schon bereit.

Wird fortgesetzt ...!!!

 
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